WAS MICH BEWEGT: Die Chequers-Affäre, der deutsche Nationalcharakter und die Gegenwart

Quanticon Maschinenraum der Politik Michael Kraess Chequers 1990

Das Chequers Memorandum von 1990 und der deutsche Nationalcharakter
Heute wurde ich nach langer Zeit mal wieder der Chequers-Affäre gewahr, die sich in der Zeit der deutschen Wiedervereinigung, genauer im Jahr 1990 abspielte. Damals trafen sich am 24.03.1990 auf dem Landsitz Chequers der britischen Premierministerin Margret Thatcher einige hochrangige Deutschlandexperten der britischen Regierung, der Geschichtswissenschaften und der Medien zu einem Deutschland-Seminar. Es sollten die Auswirkungen der möglichen deutschen Wiedervereinigung erörtert werden.

Das Seminar war eigentlich nicht-öffentlich, aber aufgrund eines Lecks wurde ein siebenseitiges Protokoll am 15.07.1990 in der britischen Tageszeitung „The Independent“ veröffentlicht. Dies wiederum führte zu einigen diplomatischen Komplikationen.

Interessanter als die außenpolitischen Verwicklungen ist für mich aus heutiger Perspektive allerdings der Inhalt dieses Protokolls, das von Charles Powell erstellt wurde, damals Privatsekretär von Margret Thatcher. Die „Seminarteilnehmer“ diskutierten damals offenbar sehr lange über den Nationalcharakter der Deutschen. Und die Ergebnisse lassen mich auch aufhorchen, und zwar mehr als es dies vor einigen Jahren noch getan hätte. Hier einige Einschätzungen über uns Deutsche aus diesem zeitgeschichtlichen Dokument:

Allgemeine, angebliche Nationaleigenschaften Deutschlands:  

  • fehlendes Einfühlungsvermögen in die Interessen anderer Nationen

  • starke Tendenz zu Selbstmitleid

  • Einschmeichelei

  • Angst

  • Aggressivität

  • Rechthaberei

  • Drangsalierung und Rüpelhaftigkeit

  • Egoismus

  • Minderwertigkeitskomplex

  • Sentimentalität

Besonders relevant erscheinen mir zwei weitere, vermeintliche Charakterzüge Deutschlands:

  • Neigung zum Exzess, zu Übertreibung und Maßlosigkeit

  • Überschätzung eigener Kräfte und Fähigkeiten.

Das Papier schloss übrigens mit dem Ergebnis, dass unter den Teilnehmern trotz einigen Unbehagens doch die Zuversicht überwöge. Über ein bald geeintes Deutschland mit demokratischer, nicht-kommunistischer Regierung – dem Ziel britischer Politik im Jahr 1945 – solle man sich freuen. Der für ganz Europa unheilvolle deutsch-britische Gegensatz, der nach dem Rücktritt Otto von Bismarcks entstanden sei, dürfe nicht wieder aufleben. Die Fähigkeit der Deutschen zum Erkennen ihrer Fehler und Charaktermerkmale sei vielleicht gewachsen.

Aber der letzte Satz des Memorandums war eine Warnung:

„The overall message was unmistakable: we should be nice to the Germans. But even the optimists had some unease, not for the present and immediate future, but for what may lie further down the road than we can yet see“.

Wieso mich dieses Protokoll heute mehr beschäftigt denn je, ist genau diese Warnung, die mich vor die Frage stellt:

Kann es vielleicht sein, dass die Teilnehmer in Chequers 1990 recht hatten und wir nun tatsächlich starke politische Strömungen haben, die unsere Kräfte überschätzen und zum Exzess, zur Übertreibung und Maßlosigkeit neigen? Gibt es wieder politische Kräfte, die auf Umwegen doch irgendwie, sei es bewusst oder unbewusst, daran glauben, dass am deutschen Wesen die Welt genesen kann? Ich bin der Ansicht, dass es diese Kräfte der moralischen Überheblichkeit und Selbstüberschätzung leider wieder gibt, auch an Orten wo man es intuitiv nicht zuvorderst vermuten würde. Ich glaube, es lohnt sich darüber nachzudenken. Was ist Ihre Meinung? 


Das Memorandum bzw. Protokoll des Chequers-Seminars über Deutschland finden Sie als Scan und PDF des Originaldokuments unter dem Link: Memorandum Chequers March 1990


Über die Kolumne „Was mich bewegt“
Es gibt viele Fragen, die mich beschäftigen. Von besonderem Interesse sind für mich die Auswirkungen und die dadurch entstehenden Handlungsmöglichkeiten, die sich für die deutschen Politiker und Unternehmer aufgrund von geostrategischen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ergeben. Ich werde meine Beobachtungen, Gedanken und Erkenntnisse hierzu in unregelmäßiger Abfolge unter der Rubrik „Was mich bewegt“ auf meinem Blog „Maschinenraum der Politik“ veröffentlichen.

INTERNATIONALER WIRTSCHAFTSSENAT: 3. Münchener Wirtschaftskonferenz

Auch in diesem Jahr moderierte ich die hochkarätig besetzte Münchener Wirtschaftskonferenz des Internationalen Wirtschaftssenats IWS (www.wec-iws.de). Wir werden von Jahr zu Jahr besser und diese Konferenz wird weiter wachsen und gedeihen und sich seinen festen Platz unter den wichtigeren Tagungen zur Rolle Deutschlands in der Weltwirtschaft erobern. Mehr Informationen werden folgen.

IWS Internationaler Wirtschaftssenat

 

 

MdP – SICHERHEITSPOLITIK: Vielzahl verschiedener NATO Waffenysteme – Europa und USA

Die Vielzahl der verschiedenen Waffensysteme bei den europäischen NATO Partnern führt zu erheblichen Mehrkosten bei Entwicklung und Beschaffung. Das System bei der Beschaffung von Rüstungsgütern durch die europäischen NATO Mitgliedern ist aus industrie-politischen Gründen schwer zu ändern, trotzdem muss es gemacht werden.

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Diese Infografik wurde von statista erstellt und publiziert und basiert auf Daten der Munich Security Conference. Mehr Infografiken finden Sie auf: https://de.statista.com

MdP – MÜNCHENER WIRTSCHAFTSKONFERENZ DES IWS: Die neue Seidenstrasse als eurasische Infrastruktur

Eurasia, the supercontinent that will define our century

The end of the Cold War was supposed to inaugurate Europe’s age of reconciliations, when the continent, finally at peace with itself, would be able to exist as a unified whole. But reconciliation worked perhaps too well: the disappearance of the Iron Curtain also meant that Europe struggled to differentiate itself from the lands to the east. By expanding it might expand without limits; by retreating it might become an importer of instability.

The decade that brought down the Berlin Wall was also responsible for opening China to global capitalism. Deep value chains were quickly established, together with the infrastructure – both physical and digital – necessary to make them work. It is frequently forgotten that this infrastructure was first developed by Western multinationals and financial institutions.

In recent years, Chinese authorities have increasingly taken on this task and with the Belt and Road Initiative, a development project of unmatched ambition, they intend to be firmly in control. Spanning some 70 countries and requiring investment approaching $4 trillion, the initiative is deliberately intended to reshape the global political and economic order. China’s trade with countries along the Belt and Road rose 17.8% year-on-year in January 2018.

 

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Diese Infografik wurde vom WEF publiziert und von Reuters erstellt. Sie basiert auf Daten des Mercator Institute for China Studies. Klicken Sie auf die Infografik oder diesen Link, um zu dem Originalartikel zu gelangen.

MdP – WIRTSCHAFTSGIPFEL DIGITALISIERUNG: Weltweite FuE Aufwendungen im Nationenvergleich – auf China achten

Last year President Xi Jinping outlined his vision to make China the global leader in political, economic, military and environmental issues over the next three decades.

Now, comprehensive data from the National Science Foundation reveals that China is already well on its way to becoming a superpower in the key areas of science and innovation.

  • China is the second-largest spender on research and development (R&D) after the US, accounting for 21% of the world’s total of nearly $2 trillion in 2015.
  • China’s spending on R&D grew by an average of 18% per year between 2010 and 2015 – more than four times faster than US spending.
  • And, although the US still spends more on R&D, China’s rapid growth means it is likely to take the lead within the next five to 10 years.

 

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Diese Infografik wurde vom WEF erstellt und publiziert. Klicken Sie auf das Zahlenbild oder diesen Link, um zu dem Originalartikel zu gelangen.