MdP – MUST READ: Interview mit Georg Fahrenschon, Sparkassenpräsident

Persönliche Vorbemerkung
Ich schätze Georg Fahrenschon sehr und ich durfte seinen Werdegang aus relativer Nähe verfolgen. Während meiner Mitgliedschaft im Vorstand der Jungen Union Bayern war er stellvertretender Bundesvorsitzender der JU und später Mitglied des Bundestages und Bayerischer Staatsminister der Finanzen.

Im Laufe der Jahre hat sich mein Eindruck immer weiter verfestigt, dass er eine Persönlichkeit ist, die wirklich integrieren kann, unterschiedliche Positionen ernst nimmt und in seine Meinungsbildung aufnimmt. Ich kann nur bestätigen, dass er in jeder Faser ein wahrer Demokrat ist.

Ich hoffe sehr, dass er die Bundesrepublik Deutschland eines Tages in internationalen Organisationen wie dem IWF oder der Weltbank repräsentieren kann. 

Das Interview erschien auf faces-of-democracy.org und wurde vom Sven Lilienströn geführt. Es wurde auch auf wallstreet-online.de veröffentlicht. 


Quanticon - Maschinenraum der Politik Fahrenschon 280917


Georg Fahrenschon ist seit 2011 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) – dem Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe. Zuvor war der 49-jährige gebürtige Münchner Bayerischer Staatsminister der Finanzen. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie (www.faces-of-democracy.org), sprach mit Georg Fahrenschon über wehrhafte Demokratie, Europa als Gegenmodell zu Fatalismus und Unterdrückung und die Notwendigkeit, die Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Herr Fahrenschon, die erste Frage an die „Gesichter der Demokratie“ lautet stets: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Mein Vater wurde 1923 geboren und gegen seinen Willen Soldat und hat den Krieg überlebt. Meine Mutter wurde aus dem Sudetenland vertrieben. Ich kandidierte als 21-jähriger für den Gemeinderat meiner Heimatgemeinde Neuried und wurde später auch zum Mitglied des Kreistags des Landkreises München gewählt. Ab 2002 gehörte ich für fünf Jahre dem Deutschen Bundestag an bevor ich im Jahr 2007 zum Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen ernannt wurde. Im Oktober 2008 bekleidete ich das Amt des Finanzministers des Freistaats Bayern. Von 2011 bis 2012 war ich zudem Mitglied des Landtags. Zusammengefasst habe ich in meinem Leben also das gesamte Innenleben unserer Demokratie kennen gelernt – mit Ausnahme des Europäischen Parlaments. Ich bin nicht nur ein zutiefst politischer Mensch, sondern auch mit jeder Faser Demokrat. Deswegen vermittle ich diese Werte auch mit voller Überzeugung den nachfolgenden Generationen, nicht zuletzt meinen eigenen Kindern, und lebe diese auch im Berufsleben Tag für Tag.

Auf der Internetseite der Sparkasse ist zu lesen: „Wahlen gehören zur Demokratie wie das S zur Sparkasse.“ Was verbindet die Sparkasse mit der Demokratie?

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist bis in die Knochen dezentral und basisdemokratisch organisiert! Wir sind quasi das Spiegelbild der gesamten Bundesrepublik, wei unser Aufbau den Strukturen des ganzen Landes entspricht. Zwölf Regionalverbände, sieben Landesbankkonzerne und die DekaBank. Alles sachgerecht austariert und paritätisch besetzt. Die Verwaltungsräte der 390 deutschen Sparkassen sind auf breiter Basis direkt demokratisch legitimiert: Das sind vor allem die Bürgermeister undBürgermeisterinnen, Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen sowie Landräte und Landrätinnen, die sich regelmäßig dem Votum ihrer Bürger stellen müssen. Das mag uns auf den ersten Blick komplizierter als unsere privaten Mitbewerber machen. Aber es ist auf jeden Fall demokratisch und das ziemliche Gegenteil von den oft zitierten immer gleichen Aufsichtsräten der so genannten „Deutschland AG“. Der EU-Binnenmarkt ist der größte gemeinsame Wirtschaftsraum der Welt.

Wie bewerten Sie den Wunsch einzelner Regierungen oder Parteien nach mehr nationaler Autonomie oder gar einem EU-Austritt?

Der langjährige Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß hat einmal den Dreiklang gebildet: „Bayern ist meine Heimat, Deutschland mein Vaterland und Europa meine Zukunft“. Dieser Satz ist nicht nur zeitlos, er hat sogar für mich heute mehr Bedeutung als jemals zuvor. Und wenn Stimmenfänger vom äußerst rechten oder linken Rand des politischen Spektrums den Menschen vorgaukeln, dass Deutschland Europa nicht brauche oder möglicherweise sogar stärker sei ohne die EU, muss man dem entschieden entgegen treten: Europa ist keine einfache Konstruktion. Aber es gibt eben keine einfachen Antworten auf die vielfältigen und komplexen Herausforderungen unserer Welt. Das ist heute so und das war übrigens auch in den 1930er Jahren nach der Weltwirtschaftskrise so. Die größten chinesischen Banken haben mehr Kunden als die EU Einwohner hat. Wäre Deutschland als stark exportabhängige Nation auf sich allein gestellt, wäre es ein Fliegengewicht und hätte eine schwache Verhandlungsposition in allen relevanten Fragen des internationalen Handels, des Umweltschutzes, der Rechtsstaatlichkeit und bei den Menschenrechten. Für die Generation von Helmut Kohl, Helmut Schmidt und Willy Brandt war Europa eine Frage von Krieg und Frieden. Das ist für die Menschen heute nur noch eine abstrakte Gefahr. Heute ist Europa deshalb vor allem eine Frage von Freiheit und Wohlstand. Das müssen wir uns immer wieder vergegenwärtigen und das gilt es zu bewahren. Für das Wohl der nächsten Generationen und als Gegenmodell zu Fatalismus und Unterdrückung.

Laut Bertelsmann-Studie sind Populisten in Deutschland häufig enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie. Also alles nur halb so wild?

Protestbewegungen hat es immer gegeben – und ebenso Parteien, die diese Strömungen aufgesaugt und instrumentalisiert haben. Es ist halt einfacher, auf den Putz zu hauen als die komplizierten Zusammenhänge in Wirtschaft und Gesellschaft zu erklären und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten. Daher ist es so wichtig, dass die Führungspersönlichkeiten in Politik und Wirtschaft die Menschen auch mitnehmen bei ihren Entscheidungen und gut erklären, warum sie so handeln, wie sie handeln. Und sie müssen dabei verständlich und nahbar bleiben. Sonst verlieren sie die Menschen an diese Stimmenfänger. Der DSGV möchte mit transparenter Verbandsarbeit eine lebendige Demokratie fördern.

Was verstehen Sie unter „transparenter Verbandsarbeit“ und wo liegen die Grenzen der Transparenz?

Das was ich von Managern und Politikern gefordert habe, muss natürlich auch für mich und alle anderen Funktionsträgern in der Sparkassen-Finanzgruppe gelten. Das heißt: Erklären, warum bestimmte Entscheidungen notwendig sind und nachvollziehbar machen, wer was wann und warum entschieden hat. Die Grenzen sehe ich dort, wo die Privatsphäre von Führungskräften und Mitarbeitern tangiert wird. Zum Beispiel in der Frage, ob man die Gehälter von Vorständen personenbezogen offen legen muss.

Herr Fahrenschon, welche beruflichen und privaten Ziele haben Sie sich für die kommenden 20 Jahre gesetzt?

Wenn ich zurückblickend feststellen kann, dass auch die Generationen nach mir in einer stabilen und wehrhaften Demokratie aufgewachsen sind und sie diese nach wie vor für das politische System halten, das am ehesten Gerechtigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung garantiert, dann habe ich alles richtig gemacht. Und wenn es mir während meiner Amtszeit als Sparkassenpräsident gelungen ist, dass die Sparkassen Marktführer bleiben, weil auch im Jahr 2037 Sparkassenkunden vom Geschäftsmodell der Sparkassen überzeugt sind, wäre das für mich persönlich die Sahne auf dem Stück Kuchen!

Vielen Dank für das Interview Herr Fahrenschon!

Das Interview erschien auf: Initiative Gesichter der Demokratie Das Interview führte Sven Lilienström Mehr zum Thma Euro/Europa/Sparkasse/Sparkassen/Georg Fahrenschon

MdP – MUST READ: Sicherheit für Generationen: Herausforderungen der neuen Weltordnung – herausgegeben von Florian Hahn

Meine persönliche Meinung und Empfehlung: 
In der Bundesrepublik Deutschland ist es im Bereich der Sicherheitspolitik leider viel zu selten, dass die vermeintlichen Experten tatsächlich über einen ausreichend breiten und hinreichend tiefen Blick auf die zahlreichen Themen haben, die sich zu einer modernen, umfassenden Sicherheitspolitik vereinen müssen.

Florian Hahn ist einer der wirklichen Sicherheits-Experten in Deutschland und wohl auch West-Europa. In zahlreichen Vorträgen und persönlichen Gesprächen hat sich diese hohe Meinung, die ich von ihm habe, immer weiter gefestigt.

Einen bemerkenswerten Vortrag hat er im März diesen Jahres auf der „Münchener Wirtschaftskonferenz“ des Internationalen Wirtschaftssenats gehalten, bei der Unternehmer, Diplomaten, Generäle und Wissenschaftlter sich ein Stell-Dich-Ein gaben (http://www.wec-iws.de/).

Ich kann jedem, der sich für Sicherheitspolitik interessiert nur empfehlen, dass von ihm herausgegebene Buch „Sicherheit für Generationen: Herausforderungen der neuen Weltordnung“ in seine Leseliste aufzunehmen.

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Informationen des Verlags Duncker & Humblot
http://www.duncker-humblot.de/index.php/sicherheit-fur-generationen.html?q=hahn

Beschreibung
Die globale Sicherheitspolitik steht vor einem fundamentalen Epochenwandel. Der Aufstieg neuer regionaler Akteure, das Wiedererstarken alter Global Player, der Rückzug der USA, der verschärfte internationale Terrorismus, asymmetrische Bedrohungen, Cyber-Attacken und hybride Kriegsformen stellen die bestehende Ordnung in Frage. Deutschland, Europa und das westliche Bündnis sind als Wertegemeinschaft und als taktgebende Ordnungsmächte herausgefordert, eine neue Sicherheitsarchitektur zu entwickeln.

Der Sammelband skizziert den Diskurs über die neue sicherheitspolitische Ausrichtung Deutschlands im Rahmen seiner Bündnisse unter der viel zitierten »Neuen deutschen Verantwortung«. Er bringt angesehene Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen, die die bevorstehenden globalen Herausforderungen analysieren sowie Lösungsvorschläge für ein handlungsfähiges Deutschland und die Sicherheit kommender Generationen unterbreiten.

Über den Herausgeber
Florian Hahn ist E-Marketing Fachwirt (BAW). Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2014 ist er Sprecher der CSU-Landesgruppe für Auswärtiges, Verteidigung, Angelegenheiten der Europäischen Union, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Außerdem ist er Landesvorsitzender des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) der CSU und Mitglied des Parteivorstandes der CSU.

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Florian Hahn während seines Vortrages bei der „Münchener Wirtschaftskonferenz“ des Internationalen Wirtschaftssenats im März 2017 am Starnberger See. Mit im Bild (links): Thomas Limberger, Präsident des World Economic Councils

Inhaltsübersicht
Florian Hahn
Einleitung: Herausforderungen der neuen Weltordnung

I. Die Welt im Wandel

Michael Stürmer
Wendezeiten – Krisenzeiten – Vorkriegszeiten Carlo Masala: Herausforderungen einer multipolaren Welt

James D. Bindenagel
Die USA: Eine Schutzmacht im Wandel?

Saskia Hieber
Chinas globaler Gestaltungsanspruch

Margarete Klein
Russland – Rückkehr als Großmacht?

Reinhard Meier-Walser
Neue Regionalmächte Iran, Saudi-Arabien, Türkei

II. Neue Gefahren für unsere Ordnung

Guido Steinberg
Internationaler Terrorismus

Arne Schönbohm
Bedrohung im Cyber-Raum

Markus Kaiser
Hybride Bedrohungen oder der Kampf von Innen (Fake News)

Maximilian Terhalle
Strategische Prioritäten. Nukleare, konventionelle und intellektuelle Erfordernisse deutscher Sicherheitspolitik

Benedikt Franke
Graue Nashörner und schwarze Schwäne: Sicherheitspolitische Herausforderungen jenseits der aktuellen Debatte

III. Weichenstellungen für die Sicherheit von morgen

Markus Söder
Sicherheit und solide Staatsfinanzen – Zwei Seiten derselben Medaille

Géza Andreas von Geyr
Generationenverantwortung im Weißbuch 2016

Holger Mey
Sicherheit durch Technologie und Innovation – Der Beitrag der Wirtschaft

Markus Ferber
Was die EU für unsere Sicherheit leisten kann

Klaus Naumann
Die NATO: Ein Bündnis für die Zukunft?

Thomas Silberhorn
Entwicklungspolitik als Beitrag zur Sicherheit